
Wohl das schockierenste Schreckgespenst eines jeden Hundebesitzers, aber
auch Züchters.
Obwohl jeder schon einmal davon gehört oder gelesen hat, vielleicht
auch den einen oder anderen Hund persönlich kennt, ist es für
die Beteiligten immer wieder ein tief erschreckendes Erlebnis, wenn der
eigene Hund in diesem besonderen, explodierenden "Vorgang" erlebt
werden muss.

Ulothrix bekam seinen ersten Grand mal am Nachmittag des 4.
Advents 2005.
Bei rückblickender Betrachtung mit unserer Tierärztin hat es
ankündigende Zeichen (starke nächtliche Unruhe, Herumlaufen)
gegeben, nur leider wurden sie von mir zu dem Zeitpunkt noch nicht als
solche wahrgenommen.
Trotz der in 2002 bekannt gewordenen Disposition in Ulothrix Ahnentafel
wurde die notwendige Diagnostik eingeleitet, um evtl. organische Erkrankungen
auszuschließen, die epileptische Anfälle verursachen können.
Es ergab sich bisher kein Befund!
Unsere Tierärztin empfahl uns folgende Vorgehensweise:
- Führen eines Tagebuches, um vielleicht Auslöser zu erkennen
- evtl. Kastration, wenn sich eine hormonell beeinflußte Epilepsie
zeigen sollte
- Medikamente möchte sie und wir vorerst nicht geben
Unsere gemeinsame Hoffnung ist, dass es sich um einen einmaligen Anfall
handeln könnte, ausgelöst durch ein Medikament.

Am 26. März 2006
kam uns diese Hoffnung abhanden. Ulothrix bekam in den frühen Morgenstunden
einen neuerlichen Anfall! Tiefe Ratlosigkeit machte sich breit - war unsere
Endscheidung nicht sofort ein entsprechendes Medikament gegeben zu haben
falsch/richtig? Was folgte, war eine große Betriebsamkeit von uns,
weitere Gespräche mit der Tierärztin, Suche im Internet nach
Erklärungen, vielleicht auch Antworten; kurzum hilfesuchende Aktivitäten,
aus der Hilflosigkeit. Gleichzeitig waren wir alle bemüht Alltäglichkeit
zu leben, all das zu tun, was wir immer mit ihm machten, Spaziergänge,
gespickt mit Apportieraufgaben, Hundebegegnungen, Spaß im Miteinander,
die Angst tief halten, das Erschrecken zu unterdrücken, wenn Ulothrix
sich im Schlaf bewegt.

Montag abend, 27. März 2006.
Der nächste Epilepsieanfall, aus dem Schlaf heraus, das Schreckgespenst
wird Realität. Jeder noch so kleine Strohhalm in der Informationsfülle
wird aufgegriffen, Möglichkeiten ausgelotet.
So lese ich in einem amerikanischen Artikel von der Notfallmaßnahme
eines Icepacks.
In den darauf folgenden Tagen ist Ulothrix sehr mit sich beschäftigt,
in sich gekehrt. Sein Geruchssinn ist deutlich verstärkt, habe den
Eindruck dass er zur Zeit nicht gut hören kann. Er schlägt nicht
an, wenn Besucher kommen, zeigt ein verzögertes Reagieren, selbst
nach dem Läuten. Leichtere Anfälle begleiten seinen abendlichen
Schlaf.
Ausschlussdiagnostik wird
das Zauberwort!
Darunter fällt auch unsere Entscheidung zu einer Kastrationsspritze.
Sollte in den nächsten 6 Wochen kein Anfall stattfinden, könnte
die Kastration vielleicht ein erfolgsgekrönter Weg sein.
Ein Artikel, aber auch die Erfahrungsberichte in einem Gesundheitsforum
zur Epilepsie, beschreibt gute Erfolge mit der Ernährungsumstellung
auf B.A.R.F..
Da Allergien und chemische Substanzen ebenfalls Epilepsie auslösen
können, entscheide ich mich für Ulos Ernährungsumstellung
auf B.A.R.F.
Neben all dem veterinärmedizinischen Informationenssammeln, bleibt
doch die Frage nach dem Wie und Was kann uns den Umgang mit der Epilepsie,
aber auch der Zeit zwischen den Anfällen erleichtern.

Was braucht ein Hund nach einem Anfallgeschehen?
- Da der Stoffwechsel
vom Körper sehr hochgefahren wird möchten sich manche Hunde
häufig danach entleeren. Es ist empfehlenswert den Hund dazu anzuleinen,
trotz Ansprechbarkeit macht Ulothrix auf mich keinen vollständig
orientierten Eindruck.
- Die Muskelkrämpfe im Anfallsgeschehen verbrauchen sehr viel Energie.
So biete ich Ulothrix eine kleine Mahlzeit an, Wasser ist für ihn
immer zugänglich, beides wird von Ulothrix angenommen.
- Ulothrix läuft in den ersten Tagen nicht so ganz "rund",
der Muskelkater zeigt sich. Ich versuche durch kleine entspannende Massagen
und leichte Bewegung dem Kater beizukommen.
- Kurzfristige Verhaltensänderungen (z.B. Müdigkeit, Trägheit,
Tastempfindlichkeit) werden von ihm gezeigt.
- Durch das Anfallsgeschehen sterben Nervenzellen ab, natürlich
wird vom Körper versucht Nervenumleitungen, Nervenkurzschlüsse
zu bilden. Um den "Umbau" zu unterstützen fördern
wir weiterhin seine körperliche Bewegung, machen eine Art Gehirnjogging
durch Unterordnungs- u. Apportierübungen, Lernen von neuen Tricks
usw.
- Vor drei Wochen bekam Ulothrix zur weiteren Ausschlussdiagnostik seine
erste Kastrationsspritze! Es geht ihm gut. Bisher hat kein neuerliches
Anfallgeschehen stattgefunden. Ulothrix macht auf mich einen ausgeglichenen
Eindruck, er ist noch anhänglicher geworden, andere Veränderungen
im Wesen und Verhalten uns und Artgenossen gegenüber können
wir bisher nicht feststellen.
In den letzten 3 ½ Wochen fand kein Anfallgeschehen statt. Wir
haben in der Zeit herrliche Frühlingsspaziergänge mit Freunden
erlebt, wunderbares Dummytraining in der F-Kursgruppe bei Angelika Theuerkauf
und Wasserapports ohne Zögern trainieren dürfen.

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